MutGeschichte Nr. 8 am 08.05.2017 von Sandra Blabl – Mut oder Leichtsinn?

Sandra Blabl, MutGeschichte
Sandra Blabl, MutGeschichte,

 

Ich habe schon vieles in meinem Leben gemacht, wofür mich andere als mutig bezeichnet haben. Ich selbst fühle mich gar nicht mutig, sondern mache einfach mein Ding. Aber lies selbst:

 

Im Jahr 2005 war ich in München in der IT im Verkaufsinnendienst tätig und habe telefonische Kundenakquise für die Schweizer Niederlassung meines Arbeitgebers gemacht. Da ich den Job gut erledigt habe, bekam ich das Angebot, in die Schweiz in den Aussendienst zu wechseln. Das fand ich spannend und habe am Abend meinem Freund davon erzählt. Ohne nachzudenken antwortete er: „Entweder ich oder der neue Job“. Er liess sich auf keine Diskussion zur Lösungsfindung ein. Also kündigte ich den Job, alle Versicherungen und Verträge, die Wohnung und dem Freund.
Drei Monate später brachte eine Umzugsfirma in zwei Möbelwägen meine ganzen Sachen in die Schweiz zu einer Wohnung, für die ich noch keinen Mietvertrag hatte. Der Vormieter hatte vorzeitig einen Nachmieter gesucht und mir versichert, der Eigentümer sei einverstanden. Der liess mich samt meinem ganzen Hausrat erst mal zwei Stunden draussen warten, bis er mich eine Stunde lang befragte und mir danach den Mietvertrag aushändigte. Das war nochmal gut gegangen!
Nun begann ich, mich im neuen Job einzuarbeiten und in der Schweiz einzuleben. Durch die Aussendiensttätigkeit war ich viel unterwegs und lernte zunächst unzählige lokale Geschäftspartner kennen, die ich von Herstellerseite her unterstützen sollte. Nach einem halben Jahr war ich dann soweit, mich um neue private Kontakte zu kümmern. Über ein Kontaktportal für Rock- und Metalmusik Fans lernte ich etliche Gleichgesinnte kennen, mit denen ich zu Konzerten und Parties ging. So erweiterte ich mein Netzwerk in der Schweiz.
Erschwert wurde mir das Leben durch die heftige Bulimie, die mich schon seit vielen Jahren plagte und schliesslich durch immer stärker werdende Schmerzen und Beschwerden, die irgendwann die Diagnose Fibromyalgie bekamen. Ich hielt mich mehrheitlich mich Schmerz- und Rheumamitteln über Wasser. Die Schlafstörungen, Verdauungsprobleme, Erschöpfung und Kopfschmerzen wurden durch die abendlichen Fress-Kotz-Attacken immer heftiger. Kurz vor dem körperlichen und emotionalen Zusammenbruch ging ich auf Empfehlung einer Arbeitskollegin (und heute guten Freundin) zu einem Heilpraktiker. Dank einer Bioresonanztherapie und Ernährungsumstellung verschwanden im Laufe der kommenden Monate die rheumatischen Schmerzen und andere Symptome.
Da ich es megaspannend fand, wie es naturheilkundlich möglich war, so rasch die fibromyalgischen Beschwerden zu lösen, für die mir die Ärzte das Urteil „lebenslänglich“ gegeben hatten, las ich tonnenweise Bücher über alternative Medizin. Dann hatte ich DIE Eingebung: Ich mache die 3-jährige berufsbegleitende Ausbildung zur Heilpraktikerin (in der Schweiz ist das der grosse HP mit Anwesenheitspflicht in der Schule inkl. Minimum 600 Std. Schulmedizin und 1.400 Stunden Alternativmedizin) und mache mich dann mit einer Praxis selbständig. Ich hatte schon lange gemerkt, dass ich mein restliches Arbeitsleben nicht als Angestellte verbringen möchte.
Zwei Wochen später hatte ich ein Gespräch mit dem Schulleiter der Paracelsus Schule in Zürich und wiederum zwei Wochen später hatte ich die erste Unterrichtsstunde.
Meine Freundinnen und Familie hielten mich für total verrückt. Da hatte ich doch diesen gutbezahlten Job und könnte Karriere in der IT machen und ich wollte das alles hinschmeissen? Und es dauere übrigens J-A-H-R-E, bis eine Praxis läuft. So die selbsternannten Experten, die noch keine Sekunde ihres Lebens selbständig waren.
Es folgen zwei brutal harte Jahre: ich arbeitete drei Wochen im Monat im Aussendienst. Eine Woche im Monat hatte ich Vollzeit Schule, da fanden die alternativmedizinischen Kurse in Wochenblöcken statt. Zusätzlich hatte ich fast jedes Wochenende Samstag und Sonntag ganztags schulmedizinischen Unterricht. Dazu kam das Lernen für Zwischenprüfungen, Referate vorbereiten und halten und Hausarbeiten schreiben. Ich war froh um jedes seltene, freie Wochenende. Nach diesen zwei Jahren hatte ich einen totalen Zusammenbruch und bekam nach einer zweimonatigen Auszeit von meinem neuen Chef, der auf meine Empfehlung in die Firma geholt worden war, die Kündigung.
Nun stand ich da ohne Job und hatte gerade knapp CHF 40.000 für die Heilpraktikerausbildung ausgegeben. Da ich kurz vor der Hypnoseausbildung stand, beschloss ich, nicht mehr zurück zu gehen in die IT. Ich suchte mir einen Praxisraum und eröffnete 3 Wochen nach der Ausbildung zur Hypnosetherapeutin meine eigene Praxis. Da ich zu Beginn wenig Klienten hatte, nutzte ich jede freie Minute für Marketing. Ich hatte kein männliches finanzielles Backup zu Hause und war auf mein eigenes Einkommen angewiesen, um in der teuren Schweiz überleben zu können.
Nach einem Jahr lief meine Praxis und ich war Vollzeit ausgebucht. Heute bin ich gesund und rundum glücklich in meiner selbständigen Tätigkeit als Hypnosetherapeutin, Hypnoseausbilderin und Autorin. Ich bin immer meinen Weg gegangen, auch wenn er oft hart und beschwerlich war. Meine Vision eines selbstbestimmten Lebens hat alles andere überlagert.
Ich ermutige stets alle Teilnehmer meiner Hypnoseausbildungen, ebenfalls ihren Weg zu gehen und dran zu bleiben. Alles ist möglich.
Hypnotische Grüße, Sandra

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